Insulaner

Insulaner

Von links: Olaf Bienert, Ewald Wenck, Joe Furtner, Ilse Trautschold, Edith Schollwer, Günter Neumann, Bruno Fritz, Agnes Windeck, Walter Gross, Tatjana Sais

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Tod von Edith Schollwer im Oktober 2002 sind die hier abgebildeten Insulaner alle nicht mehr am Leben. Wir sind bemüht, für alle Insulaner (neben Günter Neumann) etwas über die Vita, das Leben und künstlerische Schaffen nach den Insulanern bis zum Lebensende zusammenzutragen. Für Ergänzungen, aber auch Berichtigungen sind wir dankbar. Bitte wenden Sie sich an den Webmaster dieser Internetseiten oder direkt an die Günter-Neumann-Stiftung in Berlin.

Günter Neumann

Wie entsteht ein Insulaner?

Insulaner

Auftritt anlässlich des 10-jährigen RIAS-Jubiläums 1956

Seit 1948 schreibe ich alle vier Wochen ein Insulanerprogramm. Alle vier Wochen steht in den Funkzeitungen die Ankündigung, dass Sonnabend oder Sonntag die Insulaner zu hören sind. Ich staune immer wieder über den Optimismus der Funkzeitungen, dass sie das gutgläubig in ihr Programm drucken, denn wenn diese Ankündigung erscheint, existiert die Sendung noch gar nicht. Ich lese zwar, dass der nächste Insulaner am Sonnabend aus dem Lautsprecher erklingt, aber ich habe noch kein Wort Text geschrieben und noch keinen Ton Musik. Diese Arbeit erstreckt sich meistens auf die letzten drei Tage vor der Sendung. Damit will ich nicht sagen, dass ich die übrige Zeit des Monats die Daumen drehe, es wird schon was getan, aber es wird noch nicht geschrieben. Die Vorarbeit für das neue Insulanerprogramm beginnt schon, wenn wir uns gerade für das letzte Insulanerprogramm auf der Bühne verbeugt haben. Dann ist es Sonnabend abend, auf dem Kurfürstendamm werden die ersten Sonntagszeitungen ausgerufen, und dann passierte es schon häufig, dass ich auf Grund einer Schlagzeile oder einer Meldung sage: das könnte was für das nächste Insulanerprogramm sein. Von diesem Moment an wird über Neuigkeiten Buch geführt. Alle Ereignisse, ob sie nun in der Zeitung stehen oder im Stadtbild zu sehen sind, wie zum Beispiel neue Hochhäuser oder neue Strassenbeleuchtungen, werden notiert. Und zwar nicht nur von mir, auch meine Sekretärin legt eine Liste an, und unser Freund Hans Rosenthal von der Unterhaltungsabteilung sammelt ebenfalls Material. Themen teile ich mir nun für die Sendung ein, da gibt es welche, die lassen sich am besten von meinen Klatschdamen am Kurfürstendamm behandeln, andere scheinen mir für „Kummer“ Telefongespräche mit Herrn Pollowetzer geeignet, aus anderen Themen wieder könnte man vielleicht ein Lied schreiben. Wenn ich soweit klar bin, dann habe ich zwar immer noch nichts geschrieben, aber ich kann schon erzählen, was ich schreiben könnte.

Dann muß ich mich an den Schreibtisch setzen, und dann kommen zwei Tage und zwei Nächte, die ich fast pausenlos an der Schreibmaschine verbringe, vor mir die Uhr, rechts neben mir ein grosser Stapel unbeschriebenes Papier, der nicht kleiner werden will, und links neben mir ein kleiner Stapel beschriebenes Papier, der nicht grösser werden will. Etwas Glück muss man natürlich haben, erstens das Glück, dass einem überhaupt etwas zu den Tagesereignissen einfällt, zweitens das Glück, dass unter den Themen einige sind, die geradezu danach schreien, durch den Kakao gezogen zu werden, und das dritte Glück, dass nicht noch in letzter Minute etwas in der Welt geschieht, was die ganze mühselige Vorarbeit in Frage stellt.

Solche Hennekeleistungen brauche ich aber Gott sei Dank nicht allzuoft zu vollbringen. Eins geschieht allerdings sehr häufig, dass ich noch wenige Stunden vor der Sendung etwas Aktuelles dazuschreibe!

Es sind keine Einzelfälle, wenn meine Interpreten mit Texten auf die Bühne kommen, die noch feucht vom Vervielfältigungsapparat sind. Aber gerade das habe ich besonders gerne, denn erstens freuen sich die Hörer besonders über einen taufrischen Spass, und zweitens haben wir dadurch immer eine Spannung und Aufregung vor dem Mikrophon, und das ist gut so!